Automatisierte Penetrationstests im Jahr 2026

Automatisierte Penetrationstests sind 2026 keine Nische mehr. Autonome KI-Agenten haben Ende 2025 erstmals das Top-Ranking auf HackerOne erreicht, PTaaS ist als Marktkategorie etabliert, und Continuous Threat Exposure Management verlagert den Fokus vom jährlichen Test hin zu dauerhafter Angriffsbeobachtung. Gleichzeitig hat sich die regulatorische Lage grundlegend verändert. NIS2 ist in Deutschland seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft, DORA verlangt Threat-Led Penetration Testing für Finanzunternehmen, und PCI DSS 4.0.1 fordert seit dem 31. März 2025 dokumentierte Pentest-Methodik. Dieser Beitrag ordnet ein, was Automatisierung heute leisten kann, wo ihre Grenzen liegen und wie ein Mittelständler seine Prüfstrategie 2026 sauber aufstellt.

Warum automatisierte Pentests 2026 im Fokus stehen

Automatisiertes Testen ist technisch alt. Bereits 2007 warben erste Anbieter mit Rapid Penetration Testing und der Kopplung von Portscanner, Vulnerability Scanner und Exploit Framework. Die DARPA Cyber Grand Challenge zeigte 2016 vollautomatische Angriffs- und Verteidigungssysteme im Live-Betrieb. Neu ist an der aktuellen Welle nicht die Idee, sondern die Kombination aus drei Faktoren.

Faktoren wachsende Nachfrage nach automatisierten Pentests

Der Auslöser der aktuellen Welle

  • Sprachmodelle als Angreifer. LLMs übernehmen Aufklärung, Priorisierung und Berichtsgenerierung. Ein Sprachmodell liest den HTTP-Response, versteht die Anwendungslogik und wählt den passenden Angriff aus. Das war 2023 noch Zukunftsmusik.
  • Regulatorischer Druck. NIS2 verlangt in § 30 BSIG regelmäßige Wirksamkeitstests, DORA schreibt Threat-Led Penetration Testing für Finanzinstitute vor, und PCI DSS 4.0.1 fordert eine dokumentierte Pentest-Methodik. Wer nur einmal jährlich testet, kann die Nachweispflichten nicht mehr erfüllen.
  • Angriffsfläche wächst schneller als das Testbudget. Cloud, SaaS, Container und agentische KI-Systeme vergrößern die Prüffläche fortlaufend. Ein rein manuelles Jahresteam ist damit überfordert.

Wer den Zusammenhang zwischen Pentests und Risikomanagement im Detail nachlesen möchte, findet die aktuelle Einordnung im NESEC-Beitrag Pentest und Risikomanagement. Für die konkreten NIS2-Anforderungen empfiehlt sich der Beitrag NIS2 Audits und Zertifizierungen.

Was ein automatisierter Pentest wirklich prüft

Ein automatisierter Penetrationstest geht weiter als ein Vulnerability Scan. Er identifiziert nicht nur potenzielle Schwachstellen, sondern führt konkrete Angriffe aus. Das System validiert damit, ob eine Lücke ausnutzbar ist, welchen Zugriff sie einem Angreifer eröffnet und welcher Schaden entstehen könnte. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie den Berichtwert verändert.

Der klassische Ablauf

Ein automatisierter Test folgt in der Regel den gleichen Phasen wie ein manueller Test. Die Unterschiede liegen in Tempo, Skalierbarkeit und Tiefe der einzelnen Schritte.

PhaseAutomatisiertManuell ergänzt
AufklärungPortscans, DNS-Enumeration, Subdomain-Discovery und Fingerprinting laufen in Minuten.Threat Intelligence zum Zielunternehmen, OSINT zu Führungskräften und Zulieferern.
SchwachstellensucheSignaturbasierte Erkennung bekannter CVE, Fuzzing gegen APIs und Konfigurationsprüfung.Bewertung individueller Geschäftslogik und kreative Umgehung gehärteter Systeme.
AusnutzungAutomatische Ausführung bekannter Exploits, Kettenbildung über Active Directory.Chained Exploits über Anwendungslogik und gezielte Rechteausweitung im Kontext.
NachweisProof-of-Exploit-Screenshots, automatische Berichtsgenerierung und CVSS-Mapping.Geschäftsauswirkung, Priorisierung nach Kronjuwelen und Managementkommunikation.

Wo automatisierte Pentests besonders gut funktionieren

  • Externe Perimeter-Tests. Angriffe aus dem Internet folgen in großen Teilen bekannten Mustern. Ein automatisierter Test findet offene Dienste, veraltete Versionen und Fehlkonfigurationen zuverlässig und schnell.
  • Regelmäßige Retests. Nach der Behebung einer Schwachstelle prüft der automatisierte Test in wenigen Stunden, ob der Patch greift und keine neuen Angriffspfade geöffnet wurden.
  • Große Infrastrukturen. Wer 5.000 Endpunkte oder mehrere hundert Server betreibt, kann diese Menge nicht sinnvoll manuell prüfen. Der automatisierte Test schafft die Breite, die ein Mensch nicht abdeckt.
  • Entwicklungspipelines. In CI/CD-Umgebungen läuft der Test bei jedem Merge oder Nightly Build. Diese Frequenz ist manuell nicht darstellbar.

Ein technisch tieferer Blick auf verschiedene Angriffsmuster findet sich im Beitrag Pentesting bei verschiedenen Cloud-Umgebungen. Für die häufig gestellten Fragen rund um Remote-Pentests bietet der Beitrag FAQ Remote-Pentest einen guten Einstieg.

Abstufungen und Ebenen beim hybriden Pentesting

Die Grenzen automatischer Tests

Automatisierung hat Reifegrade erreicht, die noch vor drei Jahren nicht denkbar waren. Trotzdem bleiben Bereiche, in denen ein Mensch überlegen ist. Wer diese Grenzen kennt, plant seine Testlandschaft besser.

Geschäftslogik und Kontext

Ein Portscanner erkennt einen offenen Dienst zuverlässig. Ein Vulnerability Scanner findet veraltete Versionen. Ein automatisierter Pentest führt Standardangriffe aus. Was keiner dieser Ansätze leistet, ist das Verständnis für die Geschäftslogik einer Anwendung. Wenn ein Angreifer über einen scheinbar harmlosen Konfigurationsfehler eine Kette aufbaut, die am Ende die vollständige Kontrolle über eine Domäne bringt, dann setzt das Kreativität und das Verständnis der spezifischen Umgebung voraus. Interne Penetrationstests sind hier weiterhin ein Feld, in dem manuelle und hybride Ansätze klar überlegen sind.

Falsch-Positive und Berichtqualität

Automatisierte Tests neigen zu einer höheren Rate an falsch-positiven Meldungen. Das ist kein Fehler des Werkzeugs, sondern eine Konsequenz der Breite. Wer schnell und viel prüft, findet mehr Kandidaten und trifft öfter daneben. Der Aufwand für die Nachprüfung verlagert sich in die Auswertung. Ein manueller Prüfer oder ein hybrider Ansatz mit menschlicher Validierung reduziert diesen Effekt.

Kettenbildung über mehrere Systeme

Moderne KI-Agenten wie XBOW haben bewiesen, dass Kettenbildung möglich ist. Trotzdem bleibt ein Unterschied zwischen erkannter Angriffskette und geschäftlich relevanter Kette. Ein Angreifer, der die Kronjuwelen eines Unternehmens sucht, denkt in Zielen. Ein automatisiertes System denkt in Regeln und Wahrscheinlichkeiten. Die Lücke zwischen beiden Denkmodellen schließt derzeit noch ein erfahrener Pentester.

Der Kern der Kritik. Automatisierte Pentests skalieren die bekannten 80 Prozent der Angriffe. Die restlichen 20 Prozent sind meistens die geschäftskritischen. Wer nur automatisiert prüft, findet die Standardschwachstellen und übersieht die spezifischen Risiken seines Geschäftsmodells.

Der KI-Sprung 2024 bis 2026

Zwischen Sommer 2024 und Sommer 2026 hat sich die Landschaft automatisierter Pentests grundlegend verändert. Der Auslöser waren Sprachmodelle, die nicht nur Text generieren, sondern Werkzeuge bedienen und Entscheidungen treffen können.

Der Wendepunkt auf HackerOne

Im Juni 2025 erreichte erstmals ein autonomer KI-Agent Platz 1 der US-Rangliste auf HackerOne, im August 2025 folgte Platz 1 in der globalen Rangliste. Das System reichte über 1.000 Schwachstellenberichte ein, davon rund 54 kritisch und 242 hoch eingestuft, und arbeitete dabei vollautomatisch aus einer reinen Black-Box-Perspektive heraus.

Der Fall ist deshalb interessant, weil er zwei Dinge belegt. Erstens, autonome Agenten können in bestimmten Klassen wie XSS, CSRF, SSRF und RCE die Ergebnisdichte klassischer Bug-Bounty-Hunter erreichen und übertreffen. Zweitens, sie bleiben bei geschäftskritischen Angriffsketten mit tiefem Kontext hinter erfahrenen menschlichen Prüfern zurück. Der Sprung liegt also in der Breite und der Geschwindigkeit, nicht in der strategischen Angriffslogik.

Die vier Kategorien im aktuellen Markt

Der Markt für automatisierte und agentische Pentest-Werkzeuge lässt sich 2026 in vier methodische Klassen ordnen. Wer für den eigenen Betrieb evaluiert, sollte weniger auf Produktnamen achten und mehr auf die Klasse, in der ein Werkzeug arbeitet.

KategorieWas sie leistetSinnvoll für
Autonome AI-Agenten für Web und APIBlack-Box-Angriffe gegen Webanwendungen mit vollautomatischer Aufklärung und Berichterstellung.Unternehmen mit vielen extern erreichbaren Web-Assets und hoher Änderungsfrequenz.
Netzwerk- und Active-Directory-AutomatisierungAutomatisierte Credential-Attacks, Lateral Movement und Proof-of-Exploit im internen Netzwerk.Mittelstand und größere Organisationen mit klassischer AD-Landschaft.
Attack-Path-ManagementVisualisierung möglicher Angriffsketten in hybriden Cloud-Umgebungen, Priorisierung nach kritischen Assets.Organisationen mit komplexer Multi-Cloud- oder Hybridarchitektur.
Agentische Pipeline-IntegrationAutomatisierte Sicherheitsprüfung an Merge-Requests und Nightly Builds, mit menschlicher Validierung.Entwicklungsorganisationen, die Sicherheit früh in CI/CD verankern.

Die Klassen schließen sich nicht aus. Ein reifes Programm 2026 nutzt in aller Regel zwei bis drei Klassen parallel, abhängig vom Angriffsflächenprofil. Die Auswahl konkreter Werkzeuge gehört in eine strukturierte Vorauswahl mit klaren Bewertungskriterien und ist nicht Gegenstand dieses Beitrags.

Was diese Entwicklung für den Mittelstand bedeutet

Der Sprung in der KI-Leistung senkt die Kosten für breite und häufige Tests deutlich. Ein Mittelständler kann heute Angriffssimulationen betreiben, die vor drei Jahren nur großen Konzernen offenstanden. Gleichzeitig verändert sich die Anforderung an den internen Verantwortlichen. Wer autonome Werkzeuge einsetzt, muss deren Ergebnisse einordnen und interpretieren. Der Informationssicherheitsbeauftragte oder CISO wird damit zum Kurator eines fortlaufenden Prüfstroms.

Wer die veränderte Rolle des ISB im Detail nachlesen möchte, findet die aktualisierte Aufgabenbeschreibung im Beitrag Aufgaben von ISB, DSB, CISO und KI-Beauftragten. Für die konkrete Auswahl eines externen ISB empfiehlt sich der Beitrag Wie findet man einen guten ISB.

PTaaS, BAS, AEV, automatisierter Pentest und Remote-Pentest im Vergleich

Der Markt für automatisierte Sicherheitsprüfung ist gewachsen und hat sich in klar unterscheidbare Kategorien aufgeteilt. Wer 2026 einkauft, sollte diese Kategorien kennen, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten.

KategorieFrage die sie beantwortetTypische Frequenz
Vulnerability ScanningWelche bekannten Schwachstellen liegen vor?Wöchentlich bis täglich, signaturbasiert.
Breach and Attack Simulation (BAS)Erkennen und blocken meine Sicherheitswerkzeuge bekannte Angriffstechniken?Kontinuierlich, agentenbasiert nach MITRE ATT&CK.
Automatisierter PentestWie tief kann ein Angreifer in mein System vordringen?Monatlich bis quartalsweise, mit Angriffsketten.
NESEC Remote-PentestWie sicher ist mein internes Netzwerk aus Sicht eines Angreifers, der bereits im Perimeter sitzt?Projektbasiert oder wiederkehrend, mit Appliance vor Ort und Analyse aus dem NESEC-Team.
PTaaSHabe ich einen kontinuierlichen Zugriff auf Pentester und Plattform?Rollierend, mit Portal und Retest-Funktion.
AEVFunktionieren meine Detektions- und Reaktionsfähigkeiten gegen einen realen Gegner?Halbjährlich bis jährlich, mit Messgrößen für Reifegrade.

PTaaS als Betriebsmodell

Pen Testing as a Service beschreibt ein Betriebsmodell, in dem der Pentest nicht mehr als Einzelprojekt beauftragt wird, sondern über ein Kundenportal dauerhaft verfügbar ist. Kernbestandteil ist die Plattform selbst. Sie verwaltet den Scope, streamt Findings in Echtzeit auf ein Dashboard, verfolgt die Remediation und stößt Retests auf Knopfdruck an. Für Unternehmen mit vielen SaaS-Assets und einer starken DevSecOps-Kultur ist PTaaS eine pragmatische Antwort auf die neue Frequenzanforderung. Für den klassischen deutschen Mittelstand ist die Portal-Bürokratie oft zu schwer, und die Prüfperspektive vieler Anbieter bleibt auf Web und API begrenzt. Methodisch verwandt, aber operativ anders aufgestellt sind dienstleistungsgetriebene Remote-Pentest-Modelle, die dieselbe Frequenzfrage ohne SaaS-Portal lösen und die interne Netzwerkperspektive einschließen.

Der NESEC Remote-Pentest als deutsches Pendant

Der Remote-Pentest von NESEC löst dieselbe Grundfrage wie PTaaS, ohne den Umweg über ein internationales SaaS-Portal. Eine vorkonfigurierte NESEC-Appliance wird beim Kunden angeschlossen und stellt die deutschen Prüfer über einen abgesicherten Kanal in das interne Netzwerk. Das Team führt Tests aus der Position eines Angreifers durch, der die Perimeter-Verteidigung bereits überwunden hat. Reisekosten, Vor-Ort-Termine und externe Zugänge entfallen, die Prüftiefe eines klassischen Interne-Pentests bleibt erhalten.

Der Unterschied zu einem Portal-basierten PTaaS liegt in zwei Punkten. Erstens im Fokus. Während PTaaS klassisch auf Web und API zielt, deckt der NESEC Remote-Pentest die interne Netzwerkperspektive ab, inklusive Active Directory, internen Systemen und Segmentierungstests. Zweitens im Betrieb. Der Kunde erhält keinen SaaS-Login, sondern einen festen Ansprechpartner, deutschsprachige Berichte und eine Methodik, die auf NIS2, BSI-Grundschutz und ISO 27001 abgestimmt ist. Für den deutschen Mittelstand ist das häufig die tragfähigere Umsetzung des PTaaS-Prinzips. Details zum Vorgehen beschreibt der Beitrag Warum Remote-Pentests die Zukunft der Informationssicherheit sind.

Hybride Penetrationstests

Der Begriff hybrider Pentest bezeichnet die Kombination von automatisierter Breite und manueller Tiefe. Ein automatisierter Durchlauf identifiziert die Standardklassen. Ein manueller Prüfer arbeitet die geschäftskritischen Anwendungen ab, prüft Rechtekonzepte und dokumentiert Angriffsketten mit Geschäftsbezug. Bei NESEC ist dieses Modell der Standardansatz für den Mittelstand, weil es das beste Verhältnis von Kosten und Nachweiswert liefert. Der Remote-Pentest ist die konkrete Umsetzung dieses Prinzips für die interne Prüfperspektive.

Continuous Threat Exposure Management

Gartner hat den Begriff CTEM 2022 eingeführt und seither zum strategischen Ordnungsrahmen weiterentwickelt. CTEM beschreibt einen fortlaufenden Prozess aus fünf Schritten. Scoping, Discovery, Prioritization, Validation und Mobilization. Automatisierte Pentests, BAS-Werkzeuge, Remote-Pentests und AEV füllen die Validation-Phase. Ein Unternehmen, das CTEM einführt, ordnet also seine Pentest-Aktivitäten in einen größeren Rahmen ein und beantwortet nicht nur die Frage nach Schwachstellen, sondern nach ihrer geschäftlichen Relevanz.

Vergleich Vulnerability Scanner und Pentesting

Regulatorik 2026, was tatsächlich verlangt wird

Die deutsche und europäische Rechtslage hat sich seit 2023 stark verändert. Wer heute automatisierte Pentests plant, sollte die vier zentralen Regulierungsrahmen kennen.

Regulatorik als Treiber für Pentesting

NIS2UmsuCG und § 30 BSIG

Das NIS2UmsuCG ist am 6. Dezember 2025 in Deutschland in Kraft getreten. § 30 BSIG verlangt von wichtigen und besonders wichtigen Einrichtungen ein risikobasiertes Sicherheitskonzept, das unter anderem regelmäßige Wirksamkeitsprüfungen umfasst. Das BSI hat in seinen Sicherheitsmaßnahmen zum Schwachstellenmanagement ausdrücklich das regelmäßige Scannen und die Priorisierung nach Risiko festgehalten. Für rund 29.500 betroffene Unternehmen in Deutschland ist damit die Frequenz und Nachweispflicht deutlich gestiegen.

DORA und Threat-Led Penetration Testing

Für Finanzunternehmen gilt seit dem 17. Januar 2025 die Digital Operational Resilience Act. Artikel 26 und 27 DORA verlangen bedrohungsgeführte Penetrationstests nach dem TIBER-EU-Rahmen. Die BaFin setzt den Rahmen in Deutschland um, der Regulatory Technical Standard EU 2025/1190 wurde im Amtsblatt der EU veröffentlicht. TLPT geht über den klassischen Pentest hinaus und bindet Threat Intelligence, Red Teaming und Purple-Team-Auswertung in einen mehrmonatigen Prüfzyklus ein.

PCI DSS 4.0.1

Wer Kartendaten verarbeitet, muss seit dem 31. März 2025 PCI DSS 4.0.1 vollständig umsetzen. Anforderung 11.4 fordert eine dokumentierte Pentest-Methodik, die sich an anerkannten Standards wie NIST SP 800-115 oder OWASP orientiert. Interne und externe Pentests müssen mindestens jährlich und nach jeder signifikanten Änderung durchgeführt werden. Die Segmentierungskontrollen sind separat zu prüfen, und die Tester müssen organisatorisch unabhängig von den betriebenen Systemen sein.

ISO 27001:2022

Der Standard ISO/IEC 27001:2022 ist die aktuelle Fassung. Die Übergangsfrist für Zertifikate nach ISO 27001:2013 endete am 31. Oktober 2025, seit dem 1. November 2025 sind nur noch Zertifikate der neuen Fassung gültig. Control A.8.29 im Anhang A adressiert Sicherheitstests und verweist implizit auf regelmäßige Pentests. Für Unternehmen, die sich nach ISO 27001 zertifizieren lassen, ist ein dokumentierter Testprozess damit Pflicht.

Der wichtigste Punkt für die Geschäftsführung. Alle vier Regelwerke fordern regelmäßige Tests und dokumentierte Methodik. Ein automatisierter Pentest allein erfüllt die Anforderung meistens nicht. Er ist das notwendige Werkzeug für Frequenz und Skalierung, aber die Methodik und die geschäftliche Bewertung bleiben Aufgabe des Prüfteams. Für die Geschäftsführung bedeutet das eine erweiterte Sorgfaltspflicht. NIS2 kennt drei nicht delegierbare Pflichten, die Billigung des Risikomanagements, die Überwachung der Umsetzung und die verpflichtende Schulung. Diese Pflichten lassen sich ohne belastbare Pentest-Ergebnisse nicht sauber erfüllen.

Eine tiefergehende Diskussion der neuen NIS2-Pflichten findet sich im Beitrag NIS2 und Zertifizierungen. Die konkrete Vorbereitung eines Remote-Pentests ist im Beitrag FAQ Remote-Pentest strukturiert.

Entscheidungsraster für den Mittelstand

Nicht jedes Unternehmen braucht die gleiche Tiefe an Automatisierung. Das folgende Raster ordnet Unternehmensgröße, Regulierung und Testtiefe zueinander und gibt eine erste Orientierung für die eigene Planung.

ProfilEmpfehlung TestansatzFrequenz
50 bis 250 Mitarbeiter, nicht NIS2-reguliertJährlicher externer Pentest, halbjährlicher automatisierter Scan des Perimeters.Manueller Test jährlich, automatisiert halbjährlich.
250 bis 1.000 Mitarbeiter, NIS2 WichtigHybrider Pentest mit manueller Tiefe und automatisierter Breite, PTaaS-Vertrag.Manuell zweimal jährlich, automatisiert quartalsweise.
Über 1.000 Mitarbeiter, NIS2 Besonders wichtigHybrid plus Continuous Threat Exposure Management, BAS in kritischen Segmenten.Manuell quartalsweise, automatisiert monatlich, BAS kontinuierlich.
Finanzunternehmen unter DORATLPT als Pflichtaufgabe, zusätzlich hybrider Pentest und BAS.TLPT alle drei Jahre, hybrid jährlich, BAS kontinuierlich.
PCI DSS SAQ D oder Service ProviderDokumentierte Methodik nach NIST 800-115, jährlicher interner und externer Pentest.Jährlich sowie nach jeder signifikanten Änderung.

Wichtig für die Auswahl

  • Nicht auf ein Werkzeug allein setzen. Kein einzelner automatisierter Test ersetzt einen hybriden Ansatz. Die günstigste Falle ist die Illusion einer Vollprüfung durch einen einzigen Scanner.
  • Ergebnisqualität vor Marketing. Ein Bericht mit 200 Meldungen und 80 Prozent falsch-positiven Einträgen kostet mehr Nacharbeit als ein Bericht mit 30 validierten Findings. Bei der Auswahl auf Validierung, Priorisierung und Retest-Prozess achten.
  • Kennzahlen definieren. Erfolg misst sich nicht in Testläufen, sondern in behobenen Schwachstellen und in der Reduktion des Angriffsfensters.

Für die konkrete Definition eigener Sicherheitskennzahlen empfiehlt sich der Beitrag Kennzahlen in der Informationssicherheit. Die praktische Vorbereitung eines Pentest-Projekts ist im Beitrag Pentest und Risikomanagement ausgeführt.

Cyber-Resilienz durch das Zusammenspiel aus Mensch und Maschine

Cyber-Resilienz ist die Fähigkeit einer Organisation, Angriffe frühzeitig zu erkennen, zu begrenzen und aus ihnen zu lernen. Automatisierte Pentests spielen dabei eine spezifische Rolle. Sie stellen sicher, dass die verteidigenden Kontrollen unter realen Angriffsbedingungen funktionieren. Sie prüfen, ob Patches wirken, ob Segmentierungsregeln greifen und ob neue Systeme keine ungewollten Angriffsflächen öffnen.

Ein reifes Sicherheitsprogramm 2026 kombiniert vier Ebenen. Vulnerability Scanning für die Breite der bekannten Schwachstellen. Automatisierte Pentests für die kontinuierliche Validierung von Angriffsketten. BAS für die Prüfung der eigenen Erkennungs- und Reaktionsfähigkeit. Manuelle Pentests und Threat-Led Testing für die tiefen und geschäftskritischen Prüfungen. Diese vier Ebenen greifen ineinander und bilden zusammen den Nachweis, den Aufsichtsbehörden, Kunden und Versicherer heute erwarten.

Der Mensch bleibt in diesem Modell zentral. Die automatisierten Ebenen liefern Rohdaten und Vorschläge. Die Priorisierung nach Geschäftswert, die Kommunikation an die Geschäftsführung und die Integration in das Risikomanagement bleiben menschliche Aufgaben. Wer diese Aufgaben ernst nimmt, gewinnt aus der Automatisierung tatsächliche Resilienz. Wer sie an das Werkzeug delegiert, gewinnt nur ein neues Aktenverzeichnis.

Kernaussage 2026. Automatisierte Pentests sind kein Ersatz für manuelle Prüfung, sondern die Voraussetzung dafür, dass manuelle Prüfung ihre Wirkung entfalten kann. Sie schaffen die Frequenz, die die Regulatorik verlangt, und sie geben dem Prüfteam die Zeit, sich auf das zu konzentrieren, was ein Angreifer wirklich sucht.

Nächste Schritte für Ihr Unternehmen

Wer den Beitrag bis hierhin gelesen hat, steht wahrscheinlich vor einer der drei folgenden Situationen.

Situation eins, Sie testen bisher jährlich manuell

Ergänzen Sie die manuelle Prüfung um einen quartalsweisen automatisierten Perimetertest. Das schließt die Lücke zwischen zwei manuellen Prüfterminen und erfüllt die neuen Frequenzanforderungen aus NIS2 und PCI DSS ohne großen Zusatzaufwand.

Situation zwei, Sie sind unsicher, ob Ihr aktueller Anbieter das notwendige Leistungsspektrum bietet

Fordern Sie ein Muster für einen aktuellen Bericht und prüfen Sie drei Punkte. Enthält er eine dokumentierte Methodik, sind die Findings priorisiert und wird der Retest-Prozess klar beschrieben. Wenn eine der drei Fragen offen bleibt, lohnt sich ein Vergleichsangebot.

Situation drei, Sie stehen vor der Einführung von PTaaS oder Continuous Threat Exposure Management

Definieren Sie zuerst Ihre Kronjuwelen und den Umfang der Prüfung. Wählen Sie dann einen Anbieter, der beide Ebenen abdeckt, die automatisierte Breite und die manuelle Tiefe. Ein Anbieter, der nur Werkzeuge verkauft, aber keinen menschlichen Prüfer stellt, deckt die Anforderungen aus NIS2 und DORA nur partiell ab.

Für ein persönliches Gespräch zu Ihrer konkreten Situation stehen die Kollegen von NESEC unter info@nesec.de zur Verfügung. Weiterführende Beiträge finden Sie im NESEC Blog.

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